Donnerstag, 2. Dezember 2010

Mikrokredite; warum wir beim Geschäft mit den Ärmsten der Armen nicht mitmachen

Mit wenig Geld Existenzen sichern; das ist das Prinzip der Mikrokredite. Die Idee stammt vom Wirtschaftswissenschaftler Muhammad Yunus, dem Gründer der Grameen Bank. Das Prinzip hinter Mikrokrediten ist, dass Menschen sich einen kleinen Betrag, meist deutlich weniger als 100 $, ohne Sicherheiten und ohne hohen bürokratischen Aufwand leihen können, um sich damit eine Existenz aufzubauen. Ein ausgeklügeltes Konzept von sozialen Verpflichtungen stellt sicher, dass Kreditnehmer das Geld tatsächlich auch nur für den Aufbau ihrer Existenz nutzen und alle am Erfolg teilhaben. Viele kaufen sich z.B. ein Mobiltelefon, um es zu vermieten und so wundert es nicht, dass zur Grameen Familie auch ein Mobilfunkunternehmen gehört.

Die Erfolg der Grameen Bank war beachtlich und zog auch Geschäftsleute an, die wenig mit dem Non-Profit-Gedanken und den Idealen hinter Mikrokrediten anfangen können. Sie besorgen sich mit ihrer guten Bonität von herkömmlichen Banken Kredite zu üblichen Zinssätzen und verleihen Mikrokredite zu 20 % bis 30 % an die Armen ohne die ausgefeilten Prozesse der Grameen Bank zu beachten. Ein typisches Arbitragegeschäft, in dem unkontrolliert Geld floss.

Die profitorientierten Mikrokreditbanken kontrollieren kaum noch, ob das geliehene Geld tatsächlich für den eigentlichen Zweck, nämlich die Existenzgründung, genutzt wird. Immer mehr Menschen leihen sich Geld, um Lebensmittel zu kaufen oder Krankheitskosten zu bezahlen und es ist nur eine Frage der Zeit bis sie ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Die Spirale der Umschuldung beginnt, in der ein Kredit den nächsten ablöst, bis es keinen Ausweg mehr gibt. Erschwerend kommt hinzu, dass in Indien die Schuldeneintreiber extremen Druck auf Schuldner ausüben.

Indischen Zeitungen berichten vermehrt von Selbstmorden von Kreditnehmern, die keinen Ausweg mehr wussten. Innerhalb von 6 Wochen wurden allein in Andhra Pradesh 30 Selbstmorde registriert. Andhra Pradesh gilt derzeit als der weltweit größte Markt für Mikrokredite. Der öffentliche Druck ist jetzt so gross, dass Indiens Finanzminister Namo Narain Meena eine umfassende Regelierung der Branche ankündigte.

Ist damit die Idee der Mikrokredite gescheitert, wie es z.B. www.spiegel.de andeutet?

Yunus hat gezeigt, dass mit sozialem Unternehmertum die Idee hervorragend funktionieren kann und findige Geschäftsleute haben gezeigt, dass die Idee ad absurdum geführt wird, wenn der kurzfristige Profitgedanke im Vordergrund steht.

www.credeo.de ist keine Plattform für Mikrokredite für die Ärmsten der Armen. Wir möchten, dass sich auf unserer Plattform Menschen auf Augenhöhe finden und Geld leihen. Geldsuchende sind auf unserer Plattform keine Bittsteller sondern bieten Geldgebern ein Geschäft zu interessanten Konditionen an. Oder wissen Sie, wo Sie sonst z.B. 1.000 € zu 7,48 % verzinsen können, ohne dabei auf Kursgewinne spekulieren zu müssen? Wir stellen die Prozesse für die Abwicklung bereit und nehmen dafür eine aus unserer Sicht faire Bearbeitungsgebühr.

Das bedeutet nicht, dass wir uns nicht sozial engagieren werden. Wir bauen unser Geschäftsmodell Schritt für Schritt auf und fühlen uns verpflichtet, auch unserer sozialen Verantwortung nachzukommen. Bis dahin gibt es genügend andere Alternativen.

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